NK: Kahlschlag auf dem Anklamer Friedhof

Artikel aus dem Vorpommern Kurier vom 14.03.2019, S. 13:

Von Anne-Marie Maaß

Fünf Bäume sollten auf dem neuen Friedhof in Anklam gefällt werden – am Ende fielen der Kettensäge 45 zum Opfer.  Das macht nicht nur Stadtvertreter Uwe Schultz sprachlos, sondern auch die Bauamtschefin. Dabei wurde der Auftrag in ihrem Amt ausgelöst.

Anklam. Als Uwe Schultz (SPD) zum ersten Mal das Ausmaß des Kahlschlags auf dem neuen Friedhof in Anklam sah, konnte er seinen Augen kaum trauen. Ein Großteil der Bäume nahe der Trauerhalle wurde dort radikal abgeholzt. Wo bislang Nadelbäume den Weg säumten, sind heute nur noch Stümpfe geblieben – rund 40 Bäume, wie Schultz schätzt, sind einfach weg. Angeordnet wurde die Maßnahme durch das städtische Bauamt.

„Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen, dass man so etwas tut. Die Bäume waren gut 50 Jahre alt. Das bringt einem niemand so schnell zurück“, sagt Schultz. Dem Stadtvertreter und Vorsitzenden des Imkervereins geht es dabei nicht nur um die Bienen  – diese hätten von den Nadelgehölzen eher weniger profitiert, doch auch anderen Tieren wurden nun Rückzugsmöglichkeiten genommen. Außerdem sei der jetzige Anblick einem Ort der Trauer nicht angemessen, findet Schultz und fordert schnell Abhilfe.

Er will nun von der Stadtverwaltung die Unterlagen einsehen, warum es zu der Fällung kam. Den Schaden, der allein durch die Ersatzpflanzungen  auf die Stadt zukommt, schätzt Schultz auf mindestens 40 000 bis 50 000 Euro ein. „Wir können nichts ungeschehen machen, ich würde mir nun wünschen, dass bei Neupflanzungen auch die Tiere, wie die Insekten und Vögel, bedacht werden und vor allem Laubbäume angepflanzt werden, die ihnen Lebensraum und Nahrung bieten“, so Schultz.

Sprachlos ist derweil auch Anklams Bauamtsleiterin Sylvia Thurow. Eine Begründung für die massiven Baumfällarbeiten zu finden, fällt ihr nicht leicht, obwohl diese aus dem Bauamt angeordnet wurden. Allerdings lag laut Thurow lediglich für fünf tote Bäume ein Gutachten vor, nach dem diese entfernt werden sollten. Dass gleich 45 Bäume der Kettensäge zum Opfer fielen, erklärt sie durch das Handeln einer Mitarbeiterin, die diesen Auftrag eigenständig ausgelöst habe, ohne vorab noch einmal Rücksprache mit den Vorgesetzten zu halten. Sie selbst und die zuständige Sachgebietsleiterin hätten von dem Ausmaß der Baumfällungen vorab nichts gewusst, versichert Thurow.

Für die Neubepflanzung des Friedhofs soll nun ein Konzept erarbeitet werden, das auch den Insektenschutz mit einbezieht, versichert Thurow. Demnächst werden zudem die verbliebenen Stümpfe aus dem Boden gefräst. Bei den zu erwartenden Kosten für die Stadt stimmt sie der Kostenschätzung von Uwe Schultz zu. Rund 50 000 Euro werden die verpflichtenden Ersatzpflanzungen wohl insgesamt kosten: eine Größenordnung, die so im diesjährigen Haushalt der Stadt nicht vorgesehen ist. „Wir müssen schauen, ob wir die Maßnahme irgendwie kompensieren können oder dafür eine überplanmäßige Ausgabe einkalkulieren müssen“, so Thurow.

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