NK: Freude über die Millionen, aber…

Artikel aus dem Vorpommern Kurier vom 14. März 2019, S. 15:

Von Anne-Marie Maaß

Die jetzt zugesagten Fördergelder für das Ikareum sorgen in Anklam parteiübergreifend für Jubelstimmung, allerdings nicht nur: In Zeiten der bevorstehenden Kommunalwahlen geht es auch um die Frage, wer sich für den Erfolg rühmen darf.

Anklam. Bei 1,7 Millionen Euro, die über das Interreg-Programm der Europäischen Union an die Peene fließen sollen für den Innenausbau der Anklamer Nikolaikirche, ist die Freude über die Fraktionsgrenzen hinweg groß. Als einer der ersten äußerte sich dazu Christopher Denda von der Anklamer SPD: „Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Ikareums. Gemeinsam mit der Landesregierung wollen wir den Umbau der Nikolaikirche zum Erfolg führen und zu einem echten Leuchtturmprojekt für Vorpommern und Anklam machen“, sagte er.

Dennoch steht eben auch der Wahlkampf bevor: Da kam schnell die Frage auf, wer die Fördermittel nun als seinen Erfolg verbuchen kann. Die Meldung über die Fördermittelvergabe führte deshalb bereits am Dienstagabend zu einer Debatte im sozialen Netzwerk Facebook. Dort ging es vor allem zwischen den Initiativen für Anklam (IfA) und der CDU hitzig zu.

IfA-Fraktionsvorsitzender und Kulturausschussvorsitzender Christian Schröder legte am Mittwoch prompt nach. „Wir freuen uns, dass die Zusage des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Unterstützung eingehalten wurde. Ein großes Dankeschön geht an die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe und den parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann. Sie sind es, die die Idee der Stadtverwaltung und Stadtvertretung nachdrücklich unterstützt haben beziehungsweise weiterhin unterstützen. Damit rückt die Gesamtumsetzung eines wichtigen Vorhabens für Anklam in greifbare Nähe“, so Schröder. 

Das Vorhaben sei zudem ein großer Verdienst der Mehrheit der Stadtvertreter, die Hartnäckigkeit bewiesen hätten. Doch: „Einzelne Stimmen, die immer wieder gegen diese Maßnahme waren, wollen die positive Entscheidung des Begleitausschusses als ihren Verdienst ‚verkaufen‘“, moniert Schröder und setzt als Beleg gleich noch die namentliche Abstimmung zum Grundsatzbeschluss zum Ikareum aus dem Jahr 2016 an. Dort zielt er vor allem auf das Wahlverhalten der CDU ab, deren Stadtvertreter sich damals teilweise enthielten oder auch in zwei Fällen gegen die Vorlage stimmten.

Der Anklamer CDU-Fraktionschef Steffen Göritz findet das Verhalten der IfA dennoch nicht richtig. Gerade in solch wichtigen Abstimmungen stehe es allen Fraktionsmitgliedern zu, ihre Entscheidung frei zu fällen. „Auch ich hatte damals Bedenken und habe mich enthalten“, sagt Göritz. Für ihn zähle aber nun, dass die Stadtvertretung hinter ihrem Beschluss und somit auch klar hinter dem Projekt „Ikareum“ steht. Nicht zuletzt seien etwa mit dem Wirtschaftsministerium auch CDU-Ressorts an dem weiteren Erfolg des Umbaus beteiligt, ergänzt Steffen Göritz. 

Auch Linken-Chefin Monika Zeretzke zeigte sich am Mittwoch erfreut über die positive Nachricht und äußerte sich zum Hick-Hack zwischen IfA und CDU deutlich: „Das hat nicht eine Person oder eine Fraktion im Alleingang entschieden, sondern wir alle zusammen. Zweifel und Bedenken dürfen Stadtvertreter in einer Demokratie immer haben. Dazu sitzen wir ja auch da. Viele Mosaiksteine haben jetzt parteiübergreifend zu diesem erfreulichen und zukunftsweisenden Ergebnis geführt“, sagt sie.

Ähnlich sieht das auch Sigrun Reese von der FDP. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, auf den wir alle lange gewartet haben“, sagt sie. Wer dafür nun versuche die „Lorbeeren einzuheimsen“, spiele aus ihrer Sicht überhaupt keine Rolle.

Weiterhin skeptisch bleibt derweil Stadtvertreter Friedrich Baumgärtner (fraktionslos). Natürlich sei die Förderung für den Umbau der Nikolaikirche gut für die Stadt. An dem Grundproblem, das er beim Ikareum sieht, ändere das Geld allerdings nichts: „Ich bleibe dabei, die Folgekosten werden die Stadt Anklam nach den ersten zwei Jahren auffressen. Das Projekt ist eine Nummer zu groß“, sagt Baumgärtner.

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