NK: Anklam legt vor: Jeder Freitag soll ein Tag für das Klima sein

Artikel aus dem Vorpommern Kurier vom 23.02.2019, Seite 24:

Von Philipp Schulz

Wenn auch mit ein paar wenigen Wochen Verspätung, sind die Umweltdemos „Fridays for Future“ auch in Anklam angekommen. Knapp 50 Schüler und andere Anklamer zogen vom Marktplatz zum Demokratiebahnhof, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Anklam. „Ich sitz hier seit 7:45 Uhr, Mama findet das ok, es geht ja ums Klima.“ Auf einer Pappe steht „Schülerstreik fürs Klima“ geschrieben, daneben sitzt Tony Gudath, der die 10. Klasse im Lilienthal-Gymnasium besucht. Heute jedoch mal nicht, denn er will den „Friday for Future“ (Freitag für die Zukunft) auch in Anklam etablieren. Als Teil der Ortsgruppe der Linksjugend Solid hat er eine Demo zwischen Marktplatz und Bahnhof angemeldet. Seit Wochen gehen in Deutschland Schüler zu Tausenden am Freitag auf die Straße, gegen die Klimapolitik und für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Immerhin sei es ihre Zukunft, die gerade vermurkst werde, nicht die der alten Politiker, murmelt es auch aus der Anklamer Demo.

Nun also auch in der Peenestadt, jeden Freitag, immer 13 Uhr auf dem Markt, womit schon mal der größte Vorwurf von Kritikern der Bewegung entkräftigt werden soll. Fast alle Anklamer Schüler haben am Freitag zu dieser Zeit bereits schulfrei. Nur drei Kurse der 11. Klasse des Anklamer Lilienthal-Gymnasiums haben zu dieser Uhrzeit noch Unterricht und auch mit denen habe man eine Lösung gefunden, heißt es von der Schulleitung. Der jeweilige Fachlehrer kann die Schüler nach eigenem Ermessen und auf Antrag, der von den Eltern unterschrieben sein muss, freistellen. Am Ende muss es also jeder selbst wissen, ob er schwänzt oder seine Freizeit zum Demonstrieren nutzt. Gegen die Bewerbung der Demo ist die Schulleitung ebenfalls nicht, in den Gängen des Lilienthal-Gymnasiums hängen mehrere Plakate, die auf die Veranstaltung hinweisen.

Schön, dass die Schüler überhaupt denken

Anfangs noch etwas angespannt wird Tony lockerer, als nach und nach die Schüler eintrudeln. „Solange wir genug sind, um das Banner zu tragen, ist es für die erste Veranstaltung ja ein Erfolg“, meint er. Am Ende stehen knapp 50 Menschen auf dem Markt, auch offensichtlich keine Schüler mehr. „Meine Enkel sind jetzt in diesem Alter, ich finde das toll und wichtig“, meint eine Dame, die die ganze Demo begleitet. Auch Passanten am Rande gucken erst skeptisch, freuen sich aber über das Engagement der jungen Anklamer. Eine Dame lacht aus ihrer Haustür: „Ich bin ja schon froh, wenn die Schüler überhaupt denken.“

Leider entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die wartenden Autos, die durch den Aufzug aufgehalten werden, bei laufendem Motor warten müssen, bis sich der Tross an Demonstranten weiterbewegt hat.

Das Ende findet die von der Polizei begleitete Demonstration am Anklamer Bahnhof. Hier und da gibt es also noch einige Punkte zum Nachbessern, ist die Meinung vor Ort. Nächste Woche soll es dann die Generalprobe geben, bevor am 15. März der globale Generalstreik der Schüler stattfinden soll – dann natürlich wieder mit Anklamer Beteiligung.

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